Warum gibt es den Vernatsch noch
26. Mai 2010
Mit Vernatsch bezeichnet man heute die Großvernatsch Rebe und den daraus gekelterten Wein. Richtiger – vor allem historisch – sollte man von der Vernatsch-Familie sprechen. Als Sclaven (schiava) ist es die älteste benannte “Rebsorte” in Südtirol und im norditalienschen Raum (1190: vinee sclave, nach Hohnerlein-Buchinger,Per un sublessico vitivinicolo, S 135; in Tirol erstmals 1229 genannt, nach Otto Stolz). Anerkanntermaßen ist es keine edle Rebsorte. (Viala-Vermorel, 1902 : je me borne à noter que dans toute l`Italie supèrieure on appelle Schiava tout cèpage très rustique, très fertile, donnant du raisin de qualitè ordinaire, riche en mout, peu colorè et capable de fournir un vin de table ordinaire très claire et peu fort) Trotzdem hat sie sich mindestens über 800 Jahre in Tirol gehalten. Dies mag verwundern angesichts der sich immer wieder ändernden Trinkgewohnheiten im Laufe der Jahrhunderte. Vernatsch oder Sclaven Wein war ja auch lange Zeit nicht die Hauptrebsorte in Tirol (siehe Artikel über Pergel und Zeilen).
Eine Antwort darauf versuchen A. Scienza und Failla (2500 anni di cultura della vite e del nell`ambito alpino e cisalpino,p 219) zu geben. Daß die Ertragshöhe und -sicherheit dabei eine Rolle gespielt haben, drängt sich förmlich auf. Scienza/Failla nennen auch den intensiven Anbau der schiave (sclaven) auf nicht lebendem Gerüst als Grund für relativ konstante Erträge. Aus heutiger Sicht wäre dies auch mit einer anderen Rebsorten (z.B. dem roten Lagrein) möglich. Inwiefern die Bewässerung darauf und auf die Verschiebungen innerhalb der Vernatschfamilie (z.B. vom Grauvernatsch zum Großvernatsch im Magdalena Gebiet) eine Rolle spielte, müßte noch genauer untersucht werden.
Einen anderen Grund gibt Ignatz Brigl an: Vernatsch ergibt in allen Qualitätsstufen angenehme, trinkbare Weine. Dies ist mit die sympathischte Antwort.